Photography

Philipp Reeg

Philipp Reeg

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Produktionsjahr: 2018 Christoph Nuhs

Erzähler von Sagen und Legenden

Es ist Stille im Raum. Das letzte Lachen ist verhallt und wurde von einem unsäglichen Sturm verschluckt. Es regnet in Strömen. Blitze durchzucken den Himmel und auch das Fleisch, wenn die Helden nicht aufpassen. Wo gestern noch getrunken und geredet wurde, hüllt sich die Truppe nun in ein Schweigen, das nach Hoffnung lechzt.

Alle sitzen gespannt um einen Tisch herum und warten nur darauf, dass sich der Sturm legt. Philipp fängt an zu sprechen: „Ihr seid immer noch auf den Wägen. Langsam wird es dunkel und ihr bekommt Hunger. Seit Tagen habt ihr die Sonne nicht am Himmel gesehen. Was wollt ihr tun?“

Die Frage ist ein Hoffnungsschimmer und bereitet den Helden einen lang ersehnten Ausweg aus ihrer Misere. Doch was ist, wenn ihnen das Würfelglück nicht hold ist?


Philipp ist leidenschaftlicher Pen&Paper-Spieler. Seit unzähligen Jahren erschafft und verändert Welten, agiert als Terraformer und Strippenzieher. Als Spielleiter und Meister hängt das Leben seiner Figuren und Spieler von seinen Szenarien ab. (Spieler)

Einmal in Philipps Welten unterwegs, durchstreift man nicht nur Steppen, Gebirge, Wälder, Wüsten und Seen, sondern erfährt auch Gefühle, die über die Abende hinaus wirken.

Philipp konstruiert mit seiner Stimme nicht nur Szenarien, sondern verwandelt Lebloses in Geräusche und Musik. Jeder Charakter hat eine eigene Tonalität und Aussprache.

Der Erzählstil von Philipp ist durchdrungen von sozialen Interaktionen. Handlungen haben Konsequenzen für alle Beteiligte. Jede Figur wird zum Dirigenten ihrer Geschichten, während Philipp Geschichte erschafft.

Wenngleich die Geschichte durch die Sprache an Form gewinnt, so verwischt Philipp die Grenze zwischen schicksalhaften Pfaden und unbestimmten Chaos. Bei Philipps Erzählung wird das ab ovo verschoben, transformiert und nach hinten gerückt. Die Heldinnen und Helden werden mit den Spielenden zusammengezogen und dazu angehalten ihre eigene Geschichte neu zu denken.

Die Haltung, die Philipp an seine Erzählungen heranlegt, beschränkt sich nicht nur auf das Spiel mit Papier und Stiften. Sie durchzieht auch das Spiel mit dem Körper und Reden.

Erzähler von Verrätern und Königen

Philipp ist ein deutscher Laienschauspieler aus Bonn. Seine Leidenschaft gilt den Altehrwürdigen und Verschlagenen.

Philipp ist Mitglied der Bonn University Shakespeare Company (kurz: BUSC) und spielt in zahlreichen Stücken auf Englisch.

Im Sommer war Philipp im Hamlet zu sehen und zu hören. Als Player King spricht und besingt er den Schmerz und die Agonie. Aktuell probt er für weitere Stücke, die für 2018 und 2019 geplant sind. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Betrachtet man das Spiel von Philipp, verwundert es nicht, wieso er sich für Figuren interessiert, die ihre eigene Moral schreiben. Selbst kleine Gesten erzählen von den Wunden dieser Welt und tauchen alles in ein Grau und einfache Antworten.

Eine Figur, an die er sich herantasten möchte, ist die des Iago aus Othello von Shakespeare. Iago gilt als einer der ersten prototypischen literarischen Intriganten.

Ein verschlagener Blick. Ein Ballen der Faust. Ein müdes Lächeln. Ein ohrenbetäubendes Lachen. Ein Starren in die Leere. Auch wenn Iagos eigene Ethik eine Faszination ausstrahlt. So scheint es doch die Fertigkeit kompletter emotionaler Verwandlung und das Ausloten eines doppelten Spiels zu sein, die Iago und Philipps so nah zusammenbringen.

Philipp ist nicht einer. Er ist viele. Sein Erzählen im Spiel zeugt von dem immer möglichen Wechsel unterschiedlicher Figuren und Szenarien. Das Dazwischen Sein und die damit verbundene Ungewissheit erzeugt eine Spannung, die die Zuschauenden an Philipps Lippen hängen lässt.

Wer Philipp sehen möchte, der sollte sich den Spielplan der BUSC ansehen oder rollt einen Würfel mit 20 Seiten. Ihr könnt ihm auch gerne in den sozialen Netzen folgen. Auf Instagram und auf Twitter.

Danke für das Shooting. Ich lausche gerne weiter.

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