Photography

Michael

Michael

Photography

Produktionsjahr: 2018
Christoph Nuhs

Michael – Autor, Gedankenbummler, Provokateur

„Michael, setz dich mal auf den Stuhl in der Ecke. Danke. Den Kopf gerade halten bitte. Rücken gerade. Vielleicht kannst du den Arm herunternehmen. Ja, ich glaube, dass sieht ganz gut aus. Guck ernster.“ Michael Sonntag ist seines Zeichens Autor und Autor seiner Zeichen.

Michael ist Autor und lebt in Berlin.

Das Schreiben ist sein Blut, seine Gedanken und seine Umwelt. Michaels Schreiben vermischt sich untrennbar mit der Welt, in der wir uns bewegen, sodass wir nach ein paar Zeilen nicht mehr wissen können, ob es Geschichten sind oder Geschichte geworden ist. „Jetzt dreh den Kopf leicht. Fünfundvierzig Grad. Gut.“

Seine Texte sind schonungslos klar.

Michael Sonntag ist Wahlberliner. Die Hauptstadt scheint mit ihren Widersprüchlichkeiten und ungeschönten Momenten die Literatur von Michael zu komplementieren: dreckig, grau, hart, aber unglaublich dynamisch.

Ein Autor auf Messers Schneide

Wenn Figuren eine Maske tragen, dann ist die Maske die Figur.

„Stell dich mal vor die Wand. Ich finde das Grün passt ganz gut als Hintergrund. Geh noch einen kleinen Schritt vor. Und dann wieder leicht schräg.“ Michaels Geschichten erzählen von Figuren, die eine Welt in ein Zwielicht von Zerrissenheit tauchen können.

Apokalypse ohne Katharsis
Die Figuren von Michael bewegen sich zwischen unserer und ihrer eigenen Welt. Je weiter man in Michaels Geschichten voranschreitet, desto eher wird klar, dass diese Trennung eine willkürliche, ja sogar künstliche ist. Die Leserinnen und Leser werden selbst zu Figuren.

Seine Welt wird unsere.

Michaels Literatur bringt keine Katharsis. Weder für seine Figuren noch für seine Leserinnen. Wer nach einer Lektüre mit sich im Reinen ist, hat entweder weitergeblättert oder ist am Rande sich selbst zu belügen.

Michaels Schreiben ist alles andere als unbekömmlich. Für unnötigen Balast und Adjektiven, falsche Sentimentalitäten und Stolz ist kein Platz. Chirurgisch präzise seziert Michael seine Welt, um unmittelbar den Schleier zu ziehen. Unpoetisch griechisch gesprochen ist dies eine echte Apokalypse.

Michael ist Chirurg, der keine Skrupel vor dem Gewissen hat.
Wertschätze das Bunte. Es ist selten.

„Diese Pose passt nicht recht zu dir. Ich denke, du solltest noch mal am Fenster stehen.“ Auch wenn der erste Anschein den Lesern eine Brille aufsetzt, die die Figuren in Schwarz und Weiß erscheinen lassen, so ist es doch erstaunlich, wie viele Farben am Ende seiner Geschichten zu Beginn schon zu sehen waren.

Kein Credo ist stärker als der Glaube der Figuren.

„Der Raum ist perfekt. Ich glaube, wir können hier einige gute Fotos machen. Deine Haare sind in deinem Gesicht. Kannst du kurz. Danke!“ Die Klarheit in Michaels Sprache verspricht keine Reinigung. Eine Katharsis ist in Reichweite. Sie entwischt um Haaresbreite. Es verwundert nicht, dass Michaels Texte keine Befreiung vom Alltag, geschweige denn Befreiung des Geistes geben bzw. geben können.

„Nur noch eines. Stell dich bitte seitlich. Drehe den Kopf zu mir und tu so, als würdest du schreiben.“ Michaels Literatur ist dunkel. Dafür sind die Lichtflecken umso heller. Eine Apokalypse ohne Katharsis, aber ein dunkles Herz, dass zu schüchtern ist, sich im Licht zu zeigen.

Es gibt ein rotes Herz. Man darf nur nicht blinzeln, sonst ist es wieder dunkel.

Michael ist 26 Jahre alt und lebt in Berlin. Er hat bereits in Zeitschriften seine Werke publizieren können, unter anderen im NERV Magazin und regionalen Zeitschriften. Michael befindet sich kurz vor seinem Abschluss des Masters im „Literarischen Schreiben“ an der Universität Hildesheim. Neben seinem Magnum Opus schreibt er momentan Beiträge für Giga Games, Techbook und gamona. Ihr könnt Michael auf Facebook oder Twitter folgen.